Wie dein Karate besser wird – Zehn Hinweise, die wirklich helfen!

Auch wenn der Titel reisserisch rüberkommt – ein auf Klicks und Likes versessener Blogger werde ich nie. Warum, das können sich meine regelmäßigen Leser sicherlich denken.

Seit mehr als zwanzig Jahren unterrichte ich Karate, wobei ich bis dato Anfängern, Fortgeschrittenen, Schwarzgurten und jeder Altersklasse, jeder Körperform und unzähligen Meinungen begegnen konnte. Viele Male waren darunter Vertreter sehr unterschiedlicher Ansichten, wie Karate aussehen sollte bzw. müsste. Einige „Wisser“ kamen, und sie gingen wieder. Sie wollten lieber blaue Flecken und entzündete Knochenhäute an den Unterarmen, Wettkampf machen oder durch Anspann-Kime ihre angeblich hyperflexible Wirbelsäule stützen lernen (!). Ein paar konnten es nicht ertragen, das Gelernte zu hinterfragen.

Echt jetzt?

Zu diesen zwanzig Jahren gehörten auch einige Merkwürdigkeiten, Lächerlichkeiten und Enttäuschungen: Wegbegleiter, die nur mitreden können wollten, Schüler, die nach kurzer Zeit meinten, mitreden zu können, und Lehrer, die mich als ihren Schüler bezeichneten, obwohl ich sie nie um Unterweisung gebeten hatte. Lächerlich waren die, die in mein Dojo kommen und mir „Kumite zeigen“ wollten. Bis heute war von denen keiner da. (Es wäre auch ziemlich voll geworden, so viele waren es.) Ebenso lächerlich waren die Vorwürfe charakterlicher Unvollkommenheit, weil ich es gewagt hatte, nachzufragen und nach Quellen oder Demonstrationen zu verlangen. Dabei versucht so manch einer dieser vervollkommneten Charaktäre bis heute, meine Freunde gegen mich aufzuhetzen.

Der eine…

Enttäuschend waren diejenigen, die im eigenen Dojo gegen mich gearbeitet und damit jahrelange Arbeit vernichtet haben. Oder die mich als Neurotiker bezeichneten, weil sie nicht in der Lage waren, sich an gewisse Spielregeln zu halten, die innerhalb einer Gemeinschaft nun einmal existieren. Dazu gehören auch ehemalige Schüler, die sich als Rassisten und Sexisten geoutet haben. Witzig ist, daß sich einige von denen immer noch als meine Schüler bezeichnen, bzw. mich als ihren Lehrer. Here’s the news: Einmal gegangen oder rausgeworfen, ist man nicht mehr mein Schüler, bzw. bin ich nicht mehr ihr Lehrer. (Ihr werdet es verkraften.) Loyalität ist nicht neurotisch. Sie ist eine Tugend in einer verlogenen Welt.

… der andere.

Lange bevor es die Begriffe „(Cyber-)Mobbing“ oder „Trolling“ gab, musste ich mich mit den o.g. Vertretern eines Minimal-Karates auch virtuell herumschlagen. Dies geschah hauptsächlich zu einer Zeit, in der ich in Japan lernen musste, daß Karate in Deutschland verkopft, orientalisiert und bürokratisiert ist. Und aufgrund eines Mangels an Bereitschaft, sich zu entwickeln, wurde ich dafür geschnitten, beleidigt und sogar bedroht, weil ich dadurch abgetakelten Wettkämpfern (mit und ohne Verbandsposten), Tastaturkriegern und Japan-Romantikern in die Quere kam. Jedoch sind historische, kultur- und regionalwissenschaftliche Befunde nicht wegzudiskutieren, egal wie polemisch einer sein mag. Viele dieser „Exemplare“ betreiben entweder kein Karate mehr, oder sie stecken immer noch in der Methodik der 80er Jahre fest. Einer hatte es auch nötig, sich mehrere Identitäten zusammen zu lügen.

Erschreckend dagegen waren die Gewaltaffinen, die sowohl bräsig wie auch geschickt vorgingen, ihre Schüler zu den Wracks zu machen, die sie selbst schon lange waren. Sie verbargen sich geschickt zwischen den Großmäulern, die sich nie blicken ließen. Und sie verlangten nach Dingen, die trotz einer tatsächlichen Effektivität ihre Technik moralisch wie auch rechtlich fragwürdig waren. Zum Schmunzeln bringt mich schließlich die Tatsache, daß viele der o.g. Luftpumpen Hinweisen und Personen folgen, die ohne mein Zutun möglicherweise gar nicht in Deutschland bekannt geworden wären – oder erst sehr viel später.

Loooool!

Wie auch immer: Diese Menschen habe ich hinter mir gelassen und immer nach vorne geschaut, meine gegenwärtigen Schüler sorgfältig ausgewählt (einige auch wieder weggeschickt) und das getan, was mir seitens meiner Lehrer aufgetragen wurde: Das, was ich gelehrt wurde, in Deutschland zu unterrichten. (And we’re still standing strong.) Erfreulich ist sogar, daß einige wiederkommen, nachdem sie zuvor aus verschiedenen Gründen nicht mehr am Training teilnehmen konnten.

Es gibt Menschen, an die ich meine Zeit verschwendet habe. Das lässt sich nicht mehr ändern. Ich konnte ihnen ihre Ängste nicht nehmen. Was kann man tun, um solchen Menschen nicht oder wenigstens möglichst selten zu begegnen? Dazu habe ich zehn Hinweise zusamengetragen, bei denen es nicht um irgendeine besondere Trainingsweise oder Märchen vom Ippon oder aus Okinawa geht. Diese Hinweise resultieren aus den Erfahrungen, die man zwangsläufig machen muss, will man außerhalb Japans etwas im Karate bewegen.

1. Karate findet im Dojo statt – nicht auf Facebook, nicht im „Kampfkunst-Board“ oder anderen Online-Formaten. Lies dort nicht nach, jedenfalls nicht ohne gründliche Recherche.

2. Ein schwarzer Gürtel hält nicht die Hose hoch oder die Jacke zusammen. (Hosen und Jacken werden im Karate durch Bänder gehalten.) Er ist vielmehr das Zeichen dafür, wie dich dein Lehrer in seinem Dojo und in seinem Karate einstuft.

3. Ein 1. Dan ist kein Meistergrad, egal wie wichtig sich einer macht. Einen Shodan zu bekommen dauert in Japan ca. zwei Jahre. (Nicht weil die Japaner so schlecht sind, sondern weil ein Shodan nichts Großes ist.) 

4. Überprüfe deinen Trainer bzw. deinen Lehrer: Wie groß ist sein Wissen über funktionelle Anatomie? Wie indoktriniert ist er durch Romantizismen, Orientalismen oder Sportpolitik? Lernt er dazu und entwickelt sich weiter? Nimmt er nicht nur Rücksicht auf eine ggf. vorhandene Beeinträchtigung, sondern verschafft er dir Linderung?

5. Mache nicht die Anekdoten anderer zu deinen. Die Zeiten der JKA-Instructor-Class mit Kanazawa, Enoeda, Asai und Co. sind glücklicherweise vorbei. Du wirst deine eigenen Geschichte zu erzählen haben.

6. Gute deutschsprachige Bücher über Karate gibt es nicht bzw. erst seit kurzem. Und die kann man an einer Hand abzählen. Englisch- oder besser noch japanischsprachige Bücher sind das Mittel der Wahl. Ja, man sollte sich wenigstens rudimentär mit Japan, seiner Kultur und seiner Sprache befassen, will man im Karate weiterkommen.

7. Wenn die Mitgliedschaft in einem Verband oder eine vermeintlich zweitausend Jahre alte Tradition die vorherrschenden Legitimationen sind, mache auf dem Absatz kehrt. Wenn dir erzählt wird, Karate hätte sich aus dem Jiu-Jitsu entwickelt (der Kampfkunst der Samurai), darfst du dabei lachen.

8. Karate ist nicht „offiziell anerkannt“, wer sollte das auch tun können? Karate findet im Dojo statt. Wenn du dir deine Graduierung erarbeitet hast, trage sie mit Stolz. Wenn du sie von deinem Lehrer hast, umso besser. Was weiß ein sog. neutraler Prüfer von deiner Entwicklung?

9. Karate ist nicht akademisch oder berufsgenossenschaftlich organisiert. Es wird beforscht (und das mittlerweile sehr gut) und wird im deutschen Sportwesen als Freizeit- und Amateursport verwaltet. Zertifikate und sog. Berufsverbände für Kampfsport sind daher nichtssagend und gegenstandslos

10. Niemand (!) gibt dir etwas dafür, wenn du im Wettkampf verheizt wirst. Leistungssport ist Selektion. Baue dein Körpergefühl aus und vermeide so, was dir schadet.