Mark Bishop: „Die üblichen Trugschlüsse in der Welt der Kampfkünste Ryukyus“

Read the English original here: Common fallacies are everywhere in the world of Ryukyuan martial arts

Eines der Mißverständnisse, auf die man häufiger trifft, ist daß aus dem derben, unbewaffneten Zweikampf des okinawanischen Te irgendwie das komplexere Karate entstanden sei. Tatsächlich war Te ursprünglich ein militärisches, waffenbasiertes System, welches im Zuge der Satsuma-Invasion des Ryukyu-Archipels 1609 zusehends in den Kontext des Selbstschutzes und der Inneren Sicherheit rückte. Dabei wandelte sich die Fertigkeit, kämpfen zu können, allmählich in eine Kunstform um. Dadurch blieben in den darauf folgenden Jahren die Methoden des Te, wie sie vor 1609 Anwendung fanden, weitestgehend erhalten. Siehe dazu das folgende Video:.

Common fallacies are everywhere in the world of Ryukyuan martial arts.One of the misconceptions that occurs quite frequently is that Okinawan te was supposedly a crude personal, unarmed, one-to-one combative style that somehow morphed into more complex karate. The fact of the matter is that te began as a bladed-weapon-based battlefield system that, after the Satsuma Invasion of the Ryukyus in 1609, began to take on more of a personal protection and homeland security role, while developing grappling to a fine art. Consequently, over the following years, the practical mode-de-employ began to change, yet the pre-1609 methods have survived, as per the above video.From viewing this video, I hope the observer will realise the difficulty in giving practical demonstrations of these unrehearsed tactics, as per safety in the modern context of re-enactment; even though we are using theatrical practise weapons. In this respect, it should be realised that to work at this skill level takes years of sequential training so, if anyone wants to develop the methods, please first refer to my book, Okinawan Te {Martial Art of Kings & Nobles} Revealed. http://www.lulu.com/shop/mark-d-bishop/okinawan-te-martial-art-of-kings-nobles-revealed-second-edition-revised-expanded/paperback/product-23317033.htmlSo, the question remains as to why the misconception in this case. Well, by the time the Ryukyuan monarchy was finally dismantled in 1879, the new kid on the block, known as tode (or Chinese boxing) was already up and coming in popularity; even though this was more through kobudo kata than anything like the diverse karate styles of today. He who was to boost the popularity of tode at the turn of the 20th century and effectively launch it into what today we call karate, was Anko Itosu. But again, to clear up another misconception, Itosu envisioned his tode-cum-karate as a popular means of preparing soldiers for the battlefield, as regards health and self-defence.In the 1920s, tode exponents, such as Chokki Motobu, helped bring the latest world-wide craze of one-to-one combat into the Okinawan psyche. While he was to famously win a prize fight on the Japanese mainland, other Okinawans were looking into transforming karate into a combative sport – and the rest is history. What has oft been forgotten though is that Okinawan te training in its applications, throughout its long history, was very much about defence against several imagined attackers; this being a remnant of the said battlefield strategies. As I knew the training under both Seitoku Higa and Seikichi Uehara, in the late-20th century, this group-defence training was still the case.For the sake of exercising in safety, breakfalls were quintessentially important. Basic training in group strategies would then move on to empty hand with some fist work, but more so with the extended thumb. This digit could next become a rubber knife without alteration of form. Then, when more skill had developed, the trainees could move up to using sticks and staves in impromptu group formats, which could naturally stand in for themselves but also as stand-in weapons for the katana, or naginata and yari, as in my video. Most trainees do not reach this standard of training and never learn the complexities, but it is there for those who wish to try; it is one of the hidden gems of Okinawan culture, so ‘Seek and ye shall find’.

Gepostet von Mark D Bishop am Sonntag, 3. Juni 2018

Ich hoffe, daß meine Leser mithilfe des Videos die Schwierigkeiten nachvollziehen können, die bei dem Versuch einer praktischen Demonstration dieser Methoden auftreten, da diese nicht einstudierbar sind. Bei einer Nachstellung muss die Sicherheit im Vordergrund stehen – auch wenn wie in diesem Beispiel lediglich Trainigswaffen verwendet werden. Ebenso sollte nachvollziehbar sein, daß es Jahre durchgehenden Trainings benötigt, um auf dem gezeigten Niveau arbeiten zu können. Sofern man eine Beherrschung des Gezeigten anstrebt, verweise ich auf mein Buch, „Okinawan Te (Martial Art of Kings & Nobles) Revealed“.

Es bleibt die Frage nach dem Grund für diese Mißverständnisse. Als das Königreich Ryukyu 1879 offiziell sein Ende fand, war bereits ein neuer Mitspieler – bekannt als „Tode“ (chinesisches Boxen) – dabei, immer beliebter zu werden; obwohl dies eher von den Kobudo-Kata herrührte als davon, was wir heute unter Karate mit seinen Stilrichtungen verstehen. Anko Itosu war derjenige, der Tode im beginnenden 20. Jhdt. bekannt und zu dem machte, was Karate heute ist. Allerdings – und damit sei ein weiteres Mißverständnins ausgeräumt – sah er in seinem Tode-Karate hinsichtlich Gesundheit und Selbstverteidigung eine gute Vorbereitung der Soldaten für das Schlachtfeld.

In den 1920ern pflanzten Vertreter des Tode, wie z.B. Motobu Choki, die Mode des Kampfes „Mann gegen Mann“ (also Selbstverteidigung) endgültig in die okinawanische Psyche ein. Während Motobu bspw. einen Turnierkampf in Japan gewann, waren andere damit beschäftigt, aus Karate eine sportliche Form des Zweikampfes zu machen. Der Rest ist Geschichte. Was darüber vergessen wird, ist daß es im okinawanischen Te durch seine lange Geschichte hindurch stets um die Abwehr mehrerer imaginärer Gegner ging. Wie ich im Training sowohl bei Higa Seitoku wie auch bei Uehara Seikichi lernen konnte, ist jene Art von Training gegen mehrere Gegner immer noch an der Tagesordnung.

Um der Sicherheit willen sind Fallübungen essenziell wichtig. Von den Grundlagen für die Arbeit mit mehreren Gegnern geht es dann über zu unbewaffneten und Techniken mit der Faust, allerdings überwiegend mit dem ausgestreckten Daumen. Dieser würde ggf. einem Gummimesser weichen, allerdings ohne die Gesamtform zu verändern. Danach würden erfahrene Schüler Stöcke und Knüppel verwenden, um improvisierte Gruppenszenarios durchzuspielen. Diese Waffen können auch als Ersatz für das Katana, Naginata und Yari angesehen werden, wie im Video gezeigt. Die meisten Schüler erreichen jedoch nicht diesen Grad des Trainings und erfassen damit niemals die Komplexität des Systems. Aber sie ist da für diejenigen, die es versuchen wollen; Sie ist einer der verborgenen Schätze okinawanischer Kultur. Also „suchet und ihr sollt finden“.


© 2018 Mark Bishop

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