„How Karate can help your Career“ – Does it really?

Interessant, wie Karate immer neu verortet oder wieder aufgelegt wird. Alte Zuschreibungen erfahren eine Renaissance hinsichtlich einer Verwertbarkeit von Karate (und anderen japanischen Kampfkünsten) im neoliberalen Arbeitsethos.

Streichen wir im aufgeführten Beispiel doch mal Karate und setzen jede andere Sportart, Kunst oder Handwerk ein: Das Ergebnis wäre das selbe. Alles kann der Karriere dienen. Es ist im Grunde bedauerlich, daß die aufgeführten Alleinstellungsmerkmale gar keine sind, bzw. Karate zu gar nichts Besonderem machen (was aber die Absicht des Videos sein dürfte). Warum kann z.B. Fechten als europäische Form des Zweikampfes nicht ebenso der Produktivität dienen? Vielleicht tut es da ja doch, nur macht niemand ein Aufhebens darum.

Viele Karate-Leute haben Rücken- und Knieschmerzen. Sicher können sich nicht alle pauschal Nummern besser merken. Und Karate-Leute können auch depressiv sein. Ich bin überwiegend der Brutalität als Grundlage für „gute“ Techniken begegnet. Klar, die Realität wird aus Zuschreibungen konstruiert. Aber ist dies wirklich hilfreich, wenn wir Karate verbreiten wollen?

Für mich persönlich ist eine Karriere (also das Merkmal des Vertreters der Kategorie „Erfolg“) eher hinderlich, wenn man Karate in aller Tiefe erfahren möchte. Dies wird auch deutlich, wenn man ein anderes, populäreres Ethos heranzieht: Nämlich das des wallfahrenden Kriegers, der sich gerade nicht um eine Karriere auf der Basis guter Schulleistungen und eines entsprechenden Jobs schert. Oder bevorzugt man lieber die Gesinnung, durch herausragende Leistungen Kaiser und Vaterland zu dienen? Ich denke, niemand will das heute noch.

Ein aus Zuschreibungen bestehendes Ethos ist ebenso austauschbar, wie es im o.a. Kontext Karate und Fussball sind. Als Karate-Lehrer und -Treibende sollten wir uns genau überlegen, wie wir unsere Kunst verbreiten wollen.